Zwischen Neon und Torii – Japan im Rhythmus der Städte

Japan hat mich vom ersten Moment an in seinen Bann gezogen – sowohl kulturell als auch in seiner unglaublichen Vielfalt. Statt der klassischen Touristenroute habe ich mich bewusst auf Großstädte, historische Viertel und Tempelanlagen konzentriert. Ich bin im November unterwegs, mitten in der Herbstfärbung – eine Jahreszeit, in der Japan zwischen feurigen Rottönen und stiller Melancholie schwebt. Meine Reise folgt keiner typischen Touristenroute, sondern verbindet Metropolen mit ruhigeren Orten: Tokio → Kanazawa → Kyoto → Magome → Fujiyoshida → Kamakura → Tokio. Sie führte mich durch Neonlichter und Teehäuser, Zen-Gärten und historische Tempel, durch überfüllte Sehenswürdigkeiten und überraschend stille Momente.

Karte Japan Reise
Karte Japan Reise

Ein kurzer Disclaimer zu den Fotos: Japan war voll. Sehr voll. Die meisten bekannten Orte sind stark überlaufen. Bilder mit wenigen oder keinen Menschen entsprechen daher nicht der Realität, sondern entstanden zu sehr frühen oder sehr späten Tageszeiten – manchmal mit Geduld, manchmal mit Glück.

1. Tag – Neonlichter und Ankommen

Nach einem entspannten Flug über Abu Dhabi lande ich mittags in Tokio Narita und fahre mit dem Skyliner nach Ebisu zu einem Freund, der hier lebt. Kaum angekommen, tauche ich nachts in Shinjuku und Shibuya ein: Neonlichter, Menschenmassen, Golden Gai mit winzigen Bars und verwinkelten Gassen. Ich navigiere erfolgreich durch die riesige Shinjuku Station, sehe Cosplay, fühle mich kurz wie in Tokyo Drift, als Autos mit offener Heckklappe und dröhnender Musik über Shibuya Crossing rollen. Ramen, Döner, Bier im Biergarten – Tokio hat mich sofort gepackt.

2. Tag – Katzenviertel und Mini-Bars

Am Morgen entdecke ich Yanaka Ginza, ein ruhiges, lokales Viertel mit Katzenmotiven und kleinstädtischem Flair. Mein erster Besuch in einem 7-Eleven – Onigiri in der Hand, Staunen im Blick, flankiert von Eiersandwiches, Bento-Boxen, warmen Snacks und Süßem für ein unerwartet gutes Frühstück. Danach schlendere ich durch Monzen-Nakachō mit alter Gasse und kleinen Restaurants. Abends geht es zum Tokio Tower und erneut nach Golden Gai, wo Barkeeper in winzigen Bars zum Trinken animieren und eine herrlich chaotische Stimmung herrscht.

3. Tag – Tokio von oben und von unten

Ich schlafe aus, gehe mit meinem Freund und seinen Hund Oreo durch Ebisu, Frühstück im Café, Alltagsjapan. Vom Mori Tower in Roppongi Hills habe ich einen beeindruckenden Blick auf den Tokio Tower. In Akihabara schaue ich nach Pokémonkarten, bevor ich abends erneut durch Shinjuku ziehe – diesmal mit Kamera, auf der Jagd nach Licht und Bewegung.

4. Tag – Shinkansen nach Kanazawa

Früh morgens starte ich mit der Local Rapid Saikyō Line und dem Hokuriku Shinkansen Richtung Kanazawa. Nach dem Check-in besuche ich den Oyama-Schrein, esse in einem kleinen authentischem Izakaya und erkunde den Gyokusenin Maru Garten sowie die Kanazawa Burg. Abends fotografiere ich das Higashi Chaya District mit seinen alten Holzhäusern.

5. Tag – Märkte, Sashimi und Ruhe

Der Tag beginnt entspannt im Hotel mit Smoothies und Kaffee. Auf dem Omichō-Markt herrscht dichtes Gedränge, Händler verkaufen Fisch und ich esse frisches Sashimi. Nach einem weiteren Izakaya-Lunch fotografiere ich erneut den Oyama-Schrein und den Gyokusenin Maru Garten.

6. Tag – Tempel, Mondlicht und eine Geisha

Mangels Bustickets nach Shirakawa-go fahre ich nach Takaoka zum Zuiryū-ji Tempel – eine sehr gute Entscheidung. Kaum Menschen, monumentale Symmetrie, pure Ruhe. Nachts fotografiere ich den Kazuemachi Chaya District in Kanazawa. Der Mond scheint, leise Musik erklingt aus einem Haus, und für einen kurzen Moment sehe ich eine echte Geisha, bevor sie wieder verschwindet. Magisch.

7. Tag – Ankunft in Kyoto

Noch einmal Omichō-Markt, ein Bento für die Fahrt, dann Shinkansen und Thunderbird nach Kyoto. Die Stadt wird meine Basis für die nächsten acht Tage. Kyoto selbst ist keine Schönheit – weder futuristische Metropole noch idyllische Kleinstadt. Aber die Tempelanlagen sind atemberaubend. Und davon gibt es über 2000.

8. Tag – Pagoden und Osaka

In der blauen Stunde fotografiere ich früh morgens die Yasaka-Pagode, gemeinsam mit anderen Fotografen. Tagsüber ist das Viertel hoffnungslos überlaufen. Der Kiyomizu-dera Tempel ist beeindruckend, der berühmte Balkon aber etwas enttäuschend. Spontan geht es nach Osaka. Auf der riesigen Burganlage findet ein Volksfest mit singenden Tänzern im perfekten Herbstwetter statt. Spätnachmittags Tsutenkaku-Tower im Neonmeer von Shinsekai zur blauen Stunde.

9. Tag – Regen und Zen

Am Morgen stehe ich wieder an der Yasaka-Pagode in Ninenzaka. Der Kennin-ji Tempel mit Zen-Gärten wirkt im Regen besonders ruhig und atmosphärisch. Zen pur. Der Kōdaiji Tempel hingegen enttäuscht etwas.

10. Tag – Bambus und Gold

In Arashiyama besuche ich den Adashino Nenbutsu-ji Tempel mit Bambuswald und vielen Steinfiguren. Der kleine Giō-ji Tempel liegt versteckt im Wald, still und moosig. Danach spaziere ich durch Straßen im Kita-ku Ward. Am Nachmittag der Kinkaku-ji Tempel (Goldener Pavillon): viel Wind, unruhiges Wasser, extrem viele Besucher – aber zwischendurch perfekte Spiegelungen.

11. Tag – Rote Torii-Gates

Der Fushimi Inari Schrein mit seinen endlosen roten Torii-Gates ist überwältigend. Danach folgt der Tōfuku-ji Tempel mit Holzbrücke und Gärten, später der Tō-ji-Tempel. Die Pagode ist großartig, der Teich leider zu schmutzig für Spiegelungen.

12. Tag – Herbstfarben und Spiegelbilder

Im Enkō-ji Tempel eröffnen offene Räume wunderschöne Blicke auf herbstliche Gärten. Der Rurikō-in Tempel begeistert mit Spiegelungen der Bäume auf einem Tisch im Innenraum. Zufällig entdecke ich den Renge-ji Tempel, ruhig, zenartig, bevor ich Kyoto Station und den Skywalk besuche.

13. Tag – Uji und Märkte

Der Zug nach Uji ist brechend voll, leert sich aber glücklicherweise schnell. Der Byōdō-in Tempel ist äußerst beeindruckend, der Mimuroto-ji Tempel überzeugt mit seinen Gartenanlagen. Pontocho Alley in Kyoto bleibt unspektakulär, Nishiki Market lebendig, Matcha-Pancakes in einem Café – optisch top, geschmacklich etwas bitter.

14. Tag – Herbstfarben und Pfad der Philosophen

Ich fotografiere den Heian-Jingū Schrein zur blauen Stunde. Der Eikandō-Tempel mit Brücke über einen See und intensiven Herbstfarben ist ein Highlight. Der Pfad der Philosophen und Ginkaku-ji (Silberne Pavillion) Tempel folgen, letzterer wirkt etwas enttäuschend durch den eingeschränkten Blick.

15. Tag – Ankommen im Bergdorf Magome

Mit dem Shinkansen fahre ich über Nagoya nach Nakatsugawa, weiter mit dem Bus nach Magome. Das Gepäck ist dank Takkyubin bereits unterwegs. Abends ist das kleine Dorf in den Bergen fast leer, die meisten Touristen sind bereits weg.

16. Tag – Nakasendō-Trail

Ich wandere von Magome nach Tsumago auf dem Nakasendō-Trail. Das kleine Dorf wirkt wie aus der Zeit gefallen. Unterwegs sehe ich einen Affen, der sich frech an eine Kaki vom Baum pflückt – Japan wie aus einem Film.

17. Tag – Täler und Fuji

Die Fahrt nach Fujiyoshida führt über Matsumoto durch herbstliche Täler. Ich besichtige die Matsumoto Burg und fahre weiter. Abends zeigt sich der Mount Fuji – klar, mächtig, fast unwirklich.

18. Tag – Fuji-Klassiker

Zum Sonnenaufgang stehe ich am Sedoyama View Deck. Nach dem Frühstück geht es zur Chureito-Pagode, bevor ab 10 Uhr die Massen eintreffen. Ich radle zum Kawaguchi-See mit fantastischen Fuji-Blicken und fotografiere später erneut die Straßen von Fujiyoshida.

19. Tag – Abschied vom Fuji

Noch einmal die Pagode am Morgen, dann Onsen-Frühstück und ein letzter Spaziergang. Die Zugfahrt nach Kamakura verläuft reibungslos – viermal umsteigen, alles pünktlich. Am Bahnübergang Kamakurakōkō-Mae fotografierte ich Züge, dann Spaziergang am Strand und Sonnenuntergang über dem Meer. Die Szene am Bahnübergang wurde in zahlreichen japanischen Animes, Fernsehsendungen, Filmen und Werbespots gezeigt - entsprechen voll ist es.

20. Tag – Tempelrunde Kamakura

Ich besuche den Kotoku-in Tempel mit dem großen Buddha, den Hasedera Tempel und wandere den Daibutsu Hiking Trail. Danach folgen weitere Tempel: Engaku-ji, Kenchō-ji, Tsurugaoka Hachimangū und Hōkoku-ji mit Bambuswald. Abends fahre ich zurück nach Tokio.

21. Tag – Tokio abseits

Ich erkunde kleinere Viertel wie Nishi-Ogikubo, Koenji und Nogata. Am Abend sehe ich den Sonnenuntergang vom Roppongi Hills Tower.

22. Tag – Abschied in der Natur

Ein letzter Ausflug nach Takaosanguchi und auf den Mount Takao. Noch einmal durchatmen, bevor es zurückgeht.

Eindrücke

  • Essen: Ramen, Miso-Suppe, Set Meals mit viel Reis und frischem Fisch, Okonomiyaki als Überraschung – Sushi esse ich überraschend wenig. Dank Wechselkurs sind Restaurants sehr günstig, Trinkgeld gibt es nicht, Wasser ist kostenlos.
  • Kultur: Japaner sind höflich, zurückhaltend und alles ist geordnet, Verbeugungen und „Arigatou gozaimasu“ gehören zum Alltag.
  • Mobilität: Öffentliche Verkehrsmittel sind extrem pünktlich – Züge fahren auf die Sekunde genau.
  • Alltag: Konbinis wie 7-Eleven, Lawson und FamilyMart sind perfekt für unterwegs, Städte sind trotz fehlender Mülleimer extrem sauber, Toiletten überall kostenlos.
  • Technik: Hochmodern – von automatischen Toiletten bis Tap-on/Tap-off im Nahverkehr per App.

Japan Trip Statistiken

  • 17 Bowls Ramen (jede „die beste bisher“)
  • 11 Portionen Sashimi
  • 24 Tempel, Schreine & Burgen
  • 2 Shinkansen, 35 Züge, 17 Metro, 18 Busse (0 Verspätungen)
  • 25 Seven-Elevens, 6 Lawsons, 1 einsamer FamilyMart
  • Ø 18.000 Schritte/Tag, max. 26.000
  • ~320× Arigatou gozaimasu
  • +10 kg Gepäck auf dem Rückflug (Souvenirs…)

Abschluss

Zurück in Deutschland setzt sie ein: Post-Japan-Trip-Depression und Reverse Culture Shock. Japan hinterlässt nicht nur tausende Fotos, sondern das Gefühl, dass Ordnung, Respekt und Ästhetik im Alltag selbstverständlich sein können. Eine Reise, die lange nachwirkt – und definitiv nicht die letzte war.

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